Nahwärmenetz mit Wagner & Co Solaranlage im Wohngebiet „Ehemaliger Schlachthof“ in Speyer

29. April 2007

Die Bezeichnung „Schlachthof“ erscheint auf den ersten Blick wenig einladend, und doch verbirgt sich hinter dem Projekt „Baugebiet auf dem ehemaligen Schlachthof in Speyer“ ein beeindruckendes Planungskonzept der Wohnbebauung – so beeindruckend, dass es 2001 vom Land Rheinland-Pfalz im Rahmen des experimentellen Wohnungs- und Städtebaus als Modellvorhaben für das kinder- und familienfreundliche Bauen ausgewählt wurde. In dem Gebiet (Abbildung 1) entstehen, rund um den von Grund auf renovierten und neu aufgebauten Gebäudekomplex aus altem Kesselhaus und Stallungen, Reihenhäuser mit Wohnflächen zwischen 125 und 200 m². Im südlichen Bereich des Baugebietes werden 6 Doppelhäuser mit einer Wohnfläche von ca. 150 m² je Doppelhaushälfte errichtet. Ein eigens neu angelegtes und mit Solartechnik von Wagner & Co unterstütztes Nahwärmenetz liefert zuverlässig Wärme für die Siedlung. Wo einst das Vieh untergebracht war, sorgen jetzt Solarkollektoren für umweltfreundliche Energieerzeugung.

Solarroof

Solarroof

Das Kesselhaus des alten Schlachthofes blieb erhalten, dort befindet sich jetzt die Heizzentrale mit einem 600-kW-Gas-Brennwertkessel und der 100 m³ große Solar- und Kesselpufferspeicher des Nahwärmenetzes. Die beiden Seitenflügel, in denen sich ehemals die Stallungen des Schlachthofgebäudes befanden, wurden abgerissen und als Garagen neu aufgebaut. Zwei vollständig in die Gebäudehülle integrierte und je 176 m² große Solar Roof-Kollektorfelder von Wagner & CO Solartechnik dienen dabei als Garagendächer, die die Flügel des Gebäudekomplexes komplett abdecken. Ein weiteres Kollektorfeld mit einer Gesamtfläche von ca. 200 m² wird auf Carports installiert.
Der ehemalige Schlachthof bildet ein zentrales Element des Planungskonzeptes, das funktionell und architektonisch vollkommen in die neue Siedlung integriert wurde.

Baubeginn der Wohnsiedlung war im Jahre 2003. Die ersten Häuser wurden für eine Übergangszeit zunächst von einer mobilen Fernwärmestation mit Wärme versorgt. Im Frühjahr 2005 waren dann die neue Heizzentrale und das Kollektordach installiert und Im Frühjahr 2006 bereits 26 Einfamilienhäuser an das Nahwärmenetz angeschlossen. Letztlich sollen 60 Wohnhäuser an das integrierte Nahwärmenetz angeschlossen sein, das dann noch um das Kollektorfeld auf den Carports ergänzt wird.

Bei der Planung in Speyer wurde ein Jahres-Gesamtwärmebedarf von 762 MWh berechnet. Davon entfallen 501 MWh für die Gebäudeheizung, 152 MWh für Warmwasserbereitung mit Warmwasserzirkulation und 109 MWh für Netzverluste. Die Solaranlage soll mit einer Endausbaufläche von 554 m² bei einem spezifischen Jahresertrag von rd. 309 kWh/(a•m²) jährlich rd. 171 MWh liefern. Dies ergibt einen geplanten solaren Deckungsanteil von gut 22 % am Gesamtwärmebedarf. Die für die Förderung im Rahmen des Programms Solarthermie200plus verlangte Mindestdeckung wird somit um mehr als das doppelte übertroffen.

Aus einem eher düsteren Ort wurde der freundliche Mittelpunkt einer lebenswerten Wohnsiedlung, und aus einer Bauruine wurde ansprechende und ökologisch sinnvolle Architektur geschaffen – ein Platz an dem Familien verweilen und Kinder spielen.

Link Speyer:
http://www.bine.info/hauptnavigation/publikationen/projektinfos/publikation/solare-nahwaerme-neubausiedlung-speyer

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